Fieberkrampf / Kindlicher Krampfanfall

Die Unterscheidung „Krampfanfall bei Fieber“ oder „Fieberkrampf“ ist präklinisch nur schwer zu treffen und wird in aller Regel erst in der Klinik zu klären sein (ausführlichere Anamnese, ggf. weitere Diagnostik). Für die Kommunikation mit den Angehörigen spielt die Fulminanz des Erlebten eine große Rolle: oftmals haben die Eltern ihr Kind „blau“ oder „wie tot“ erlebt. Es ist deshalb sehr wichtig, bereits präklinisch die Eltern einerseits zu beruhigen, andererseits aber auch auf die definitive Diagnosestellung in der Klinik hinzuweisen.

Fieberkrämpfe entstehen durch eine individuelle Senkung der Krampfschwelle aufgrund noch ungeklärter Mechanismen. Der Zeitpunkt des Krampfgeschehens wird nicht durch eine absolute Temperatur bestimmt, sondern durch den schnellen Fieberanstieg, den man auch mit regelmäßigen Messungen verpasst. Deshalb ist eine Antipyrese zwar indiziert, schützt aber NICHT vor einem erneuten Ereignis (Aufklärung Eltern)!

unkomplizierter Fieberkrampf:
ca. 75 %; generalisiert (KEINE fokalen Krämpfe!), Dauer < 15 min, typisches Alter: 6 Monate bis 5 Jahre

komplizierter Fieberkrampf:
ca. 25 %, seitenbetont / fokal, Dauer > 15 min, postiktale Beeinträchtigung (z. B. Lähmung, Sprachstörung), Alter < 6 Mon. > 5 Jahre

Meist ist ein Krampfanfall vorüber, wenn der Rettungsdienst eintrifft.

Medikamente bei anhaltendem Krampfanfall:

Midazolam:
0,3 mg / kg KG nasal über MAD®
ggf. 0,1 mg/kg KG i.v.

Diazepam:
< 15 kg KG     5 mg  rektal
> 15 kg KG     10 mg rektal
ggf. 0,1 mg / kg KG i.v.

Midazolam buccal (Buccolam®):
3 Mon. bis 1 Jahr             2,5 mg
1 bis 5 Jahre                      5 mg
5 bis 10 Jahre                   7,5 mg
> 10 Jahre                         10 mg

Fiebersenkung mit:

Paracetamol:     15 mg / kg KG p.o. / rect.
Ibuprofen:     10 mg / kg KG p.o. / rect.

Falls es mit den o.g. Maßnahmen nicht zum Sistieren des Krampfanfalls kommt, ist eine erneute Gabe derselben Dosis von Diazepam oder Midazolam möglich.

CAVE: differenzialdiagnostisch immer denken an

  • Sepsis (Rekapillarisierungszeit? Petechien? RR?) → antibiotische Therapie erwägen
  • Meningitis (Nackensteifigkeit?)
  • Intoxikation (Anamnese? Umfeld?)
  • Hypoglykämie (Blutzucker?)
  • SHT

Transport in die Klinik mit Pädiatrie unter engmaschigem Monitoring der Vitalparameter (Herzfrequenz, SpO2 und Atemfrequenz).

02/2017