Herzrhythmusstörungen – Bradykardie

Asymptomatische bradykarde HRST bedürfen nicht zwingend der prähospitalen Behandlung, symptomatische sollten therapiert werden. Zur Rhythmusdiagnostik und als Dokumentation für die Klinik ist immer ein 12-Kanal-EKG abzuleiten.

Ursachen

Eigenständige Erkrankungen oder komplizierend im Rahmen einer Grunderkrankung: Erkrankungen des Reizleitungssystems, ischämische Herzerkrankung, medikamentöse Wirkung (Antiarrhythmika, ß-Blocker, Herzglykoside), infektiös, rheumatologisch, vasovagale Reaktionen, Carotissinussyndrom, Herzschrittmacherdysfunktion, Intoxikationen. Denke auch an Hypoxie!

Einteilung

Sinusknotenerkrankung
Sinusbradykardie, SA-Block, Sinusarrest, Bradykardie-Tachykardie-Syndrom

Atrioventrikuläre Leitungsstörungen
höhergradige AV-Blockierungen

Bradyarrhythmie bei Vorhofflimmern
CAVE: Bei AV- oder Kammerersatzrhythmen kann ein AV-Block III. Grades leicht übersehen werden.
Nach einer Synkope (akute AV-Blockierung) kann der Patient unter dem Ersatzrhythmus klinisch relativ unbeeinträchtigt sein.

Therapie immer unter Monitorkontrolle

  • Medikamentös titrierend(nach Wirkung)
  • Transkutaner Herzschrittmacher

Je schlechter die Hämodynamik (Bewusstlosigkeit, Bewusstseinstrübung, Hypotonie), desto früher sollte eine elektrische Therapie (transthorakales Pacing) erwogen werden. 

Elektrische Therapie:

Transkutaner Herzschrittmacher:

  • Bei Dysfunktion eines Herzschrittmachers zuvor durch Magnetauflage versuchen, auf feste Stimulationsfrequenz umzuschalten (Magneten liegen lassen)
  • Bei kritischer Kreislaufsituation mit hoher Energie beginnen. Wenn capture (Stimulation bewirkt Auswurf), dann Energie reduzieren bis kein capture mehr, dann wieder um ca. 20 % erhöhen.

CAVE: nichtinvasive Blutdruckmessung schwierig/verfälscht (Muskelkontraktionen)

Medikamentöse Therapie:

Adrenalin

So lange kein Kreislaufstillstand vorliegt vorsichtig titrieren:
“Suprafässchen“: 1 mg (1 Ampulle) Adrenalin ad 100 ml NaCl 0,9 % = 10 µg/ml
milliliterweise geben → Effekt beobachten CAVE: erhöhte Automatie: Extrasystolen, Kammertachykardie/Kammerflimmern
CAVE: Hypertonie

Atropin

Vagolytischer Effekt wirksam bis zum oberen AV-Knoten, nach Wirkung bis zu 0,04 mg/kg KG (3 mg bei 75 kg KG) i.v. (bei Intoxikation mit Cholinesterasehemmstoffen auch mehr).
CAVE: ab AV-Block II b. kann es zu einer paradoxen Reaktion mit Verlangsamung des Ersatzrhythmus kommen und Atropin ist dabei kontraindiziert. Bei älteren Patienten Provokation eines anticholinergen Syndroms möglich.

03/2026