Schädel-Hirn-Trauma des Erwachsenen

Die spezifische Therapie des Schädel-Hirn-Trauma richtet sich nach der Schwere der Hirnverletzungen und der Begleitverletzungen.

Das Ausmaß der Bewusstlosigkeit kann Hinweise auf die Schwere der Hirnverletzung geben. Die Bewusstseinsstörung wird durch die Glasgow-Coma-Scale (GCS) beschrieben. Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma liegt bei einem GCS von 3 – 8 vor.

Therapieziel

Sekundärschäden vermeiden: Normoxämie, Normotonie, Normokapnie und Normothermie anstreben, Aspiration vermeiden

Anamnese

Unfallmechanismus beachten, Antikoagulation klären

Diagnostik

GCS, Neurologischer Status, Cranio-caudaler Check vor Therapie

Therapie

  • Sicherung der Atemwege, ab GCS< 9 oder bei zunehmender Eintrübung Intubation und Beatmung. Einstellen einer Normoventilation (Kapnographie), Ziel-SpO2 = 94 – 98 %, PEEP 5 – 10 mbar
  • Ausreichend tiefe Narkose bei gleichzeitiger hämodynamischer Stabilität (Esketamin gut geeignet), Muskelrelaxanz obligat. – Husten, Würgen, Pressen etc. unbedingt vermeiden
  • Infusionstherapie: Therapie einer begleitenden Hypovolämie durch rasche Infusionen von balancierter Vollelektrolytlösung
  • Erhalten eines ausreichenden zerebralen Perfusionsdrucks (CPP). Dafür ist ein systolischer Blutdruck von mindestens 90 mmHg erforderlich. Ein mittlerer arterieller Druck (MAD) von > 90 mmHg ist anzustreben. Falls dieses durch Ausgleich von Volumenverlusten nicht unmittelbar erreicht wird, ist der Einsatz von Katecholaminen (z.B. Noradrenalin) indiziert
  • Lagerung: Rettung und Intubationunter in-line-Immobilisation der HWS.
    Ruhigstellung der Wirbelsäule ohne Behinderung des venösen Abflusses. 15°- bis 30°-Oberkörperlagerung bei ausreichendem systemischem Blutdruck
  • Wärmeerhalt
  • Monitoring: GCS-Verlaufskontrolle mit Angabe des Zeitpunktes, nicht-invasive Blutdruckmessung, Pupillengröße, EKG, HF, Pulsoxymetrie, Beatmungsparameter, Kapnographie, Temperatur, BZ
  • Transport und Dokumentation: Schneller und schonender Transport, entsprechend dem Verletzungsmuster in hierfür geeignete nächste Klinik (CCT, Intensivtherapie), bei längeren Transportwegen Luftrettungsmittel erwägen

03/2023