Definition des Wirbelsäulentraumas
Verletzung der Wirbelsäule (Fraktur oder Luxation) eventuell mit Schädigung des Rückenmarks durch direkte oder indirekte Gewalteinwirkung. Sie kann isoliert oder im Rahmen einer Mehrfachverletzung auftreten.
Hintergrund
Bei der prähospitalen Versorgung von Wirbelsäulenverletzten steht eine Vermeidung von Sekundärschäden im Vordergrund: v.a. Hypotonie und Hypoxie vermeiden!
In der Behandlung der potenziellen Wirbelsäulen-/Rückenmarkverletzungen hat in den letzten Jahren ein Wandel in der Indikation und Technik der Ruhigstellung stattgefunden.
Besonders bei wachen und ansprechbaren Patienten steht der Untersuchungsbefund und nicht mehr der Unfallmechanismus im Vordergrund (NEXUS-/Clearance-Kriterien).
Basismaßnahmen
- Orientierende Befunderhebung (Motorik und Sensibilität)
- Monitoringund Dokumentation eventueller neurologischer Veränderungen
- Festlegung der richtigen Zielklinik
- Flüssigkeitsersatz nach Verletzungsmuster und Kreislaufsituation
- bei V.a. neurogenen Schockmit Hypotonie und Bradykardie an den Einsatz von Katecholaminen denken
- Hauptfehler sind die Fehleinschätzungen bei intoxikierten/alkoholisierten Patienten und solchen mit rigider Wirbelsäule (z.B. M. Bechterew oder operativ versteifte Wirbelsäule)
- RTH-Transport erwägen (Bedenke: frühzeitige Alarmierung)
Für Rettung, Lagerung und Transport gilt:
- Nutzen der Immobilisationnicht belegt, Ruhigstellung in physiologischer Position erscheint aber sinnvoll
- kritische Patienten (xABCDE-Probleme) allenfalls minimal ruhigstellen, Patienten mit isoliert penetrierendem Traumagrundsätzlich nicht immobilisieren
- Manuelle In-Line-Stabilisierung (MILS) wird empfohlen, starre HWS-Orthesen sind kritisch zu hinterfragen (insbesondere bei Normabweichungen der HWS und SHT)
- Vakuummatratze: gute und gleichzeitig schonende Ruhigstellung (Immobilisationan den Patienten anpassen, nicht umgekehrt)
- Spineboard ist ein Rettungsmittel, kein Transportmittel (keine Lordosenunterstützung, Druckulcera, Störung der Atemmechanik, u.a.m.)
- keine zwangsweise Ruhigstellung
- wache, orientierte Patienten ohne Neurologie dürfen trotz Druckschmerz allein aussteigen
- Praxistipp: bei Traumapatienten immer Vakuummatratze und Beckenschlingeauf der Trage vorbereitet haben
03/2023